Auch wenn die moderne Medizin von ihren Errungenschaften schwärmt, so gibt es Probleme wie den Haarausfall, die bis heute eine fast unlösbare Aufgabe für Ärzte und Pharmaindustrie darstellen. Der Haarwuchs ist eine hochkomplizierte Angelegenheit, und welche Mechanismen die Bildung von Haaren, deren Wachsen und Ausfallen steuern ist heute nur in kleinen Fragmenten bekannt. Die wenigen Arzneimittel die zur Behandlung von Haarausfall entwickelt wurden (international gesehen eigentlich nur Finasterid und Minoxidil), sind nur bei einer kleinen Anzahl von Patienten in der Lage neuen Haarwuchs in sichtbarer Form auszulösen.
Seit einigen Jahren setzt sich daher immer mehr die Methode der Haartransplantation durch. Bei dieser Methode werden Haare aus dem behaarten Hinterkopf in die kahlen Flächen auf der Vorderseite des Kopfes verpflanzt. In den meisten Fällen gelingt dies ohne Probleme, und die Haare wachsen an der neuen Stelle ähnlich wie eine Blume völlig ungestört weiter. Auch wenn sich die Technologie der Haarverpflanzung deutlich verbessert hat, so leidet sie trotzdem unter einem Grundproblem, den Mangel an Nachschub an neuen Haaren. Denn auch die Fläche am Hinterkopf kann nicht beliebig als Quelle herangezogen werden.
Die Zukunft liegt daher in einer verbesserten Methode, der sogenannten Haarmultiplikation. Dabei werden Haare entweder direkt in der Kopfhaut oder nach Entnahme einiger Exemplare aus dem behaarten Bereich im Labor gezüchtet. Die zweite Option klingt einfach, ist es aber nicht. Denn Haare wachsen zwar in einem autonomen Apparat, sind aber doch eingebettet in die Hautzellen. Und diese Wachstumsprozesse nachzuvollziehen ist ein schwieriges Unterfangen. Das neue Wachstum in der Haut versucht man dadurch zu erzielen, indem die Haut mit bestimmten Substanzen in ihren ursprünglichen embryonalen Zustand zurückversetzt werden. Auch hier gibt es erhebliche Schwierigkeiten ohne Risiko ein Neuwachsen der Haare auszulösen.
Trotzdem ist die Situation positiv einzuschätzen, es laufen verschiedene klinische Studien die teilweise noch im Jahr 2010 abgeschlossen werden. Es besteht eine realistische Hoffnung, dass sich die Haarmultiplikation als Weiterentwicklung der Haartransplantation einen Platz in der Medizin sichern kann.